Government Sachs – Forever

Robert Rubin arbeitete 26 Jahre lang für die reiche und einflussreiche Investmentbank Goldman Sachs und hier zuletzt als Co-CEO. Dann holte ihn der demokratische US-Präsident Bill Clinton in sein Kabinett. Hier diente Rubin zwischen 1995 und 1999 als US-Finanzminister. Von 2006 bis 2009, während der Präsidentschaft des Republikaners George W. Bush, firmierte Henry (Hank) Paulson als US-Finanzminister. Auch Paulson kam von der Prestigebank Goldman Sachs. 32 Jahre saß er an diversen Schaltstellen der Bank bis er 1998 zu deren CEO ernannt wurde. Ausgerechnet in Paulsons Zeit als Bushs Finanzminister fiel die Finanzkrise. Sie hatte in der New Yorker Bankenszene ihren Anfang genommen. Hank Paulson war als CEO von Goldman Sachs Teil dieser Szene. Damit war er zugleich Teil des Problems. New Yorker Investmentbanker waren die Verursacher der Finanzkrise.

Henry_M._Paulson Wiki commons

Als Finanzminister wurde Hank Paulson dann auf einmal auch zum Teil der Lösung der Krise. Der Chef-Finanzpolitiker Paulson steuerte die politischen Geschicke und die Staatsgelder so, dass Goldman Sachs nichts von seinem Gold und seinem strahlenden Image verlor. Er sorgte außerdem dafür, dass auch andere Investmentbanken und sowie der Versicherungskonzern AIG finanziell unbehelligt aus der Krise hervorgehen konnten. AIG und einige Banken bekamen Staatshilfe in Form von Bailout-Dollars. Eine einzige Bank ging damals Pleite. Die Investmentbank Lehman Brothers musste als Folge der Finanzkrise 2008 die Insolvenz anmelden. Lehman Brothers, einst der wichtigste Konkurrent von Goldman Sachs, bekam keine Staatsförderung, um wieder aus der Schuldenzone zu gelangen. (Mehr dazu hier.)

Während Lehman sterben musste, durften Goldman Sachs und die übrign Investmentbanken weiterleben und so weitermachen wie bisher. Etwaige Interessenskonflikte oder Interessensnichtkonflikte des einstigen Goldman-CEO´s Hank Paulson im Falle der Lehman-Insolvenz wurden großzügig übersehen.

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Der Einfluss der Investmentbanker auf die US-Regierung besteht fort. Auch deshalb konnte es nach der Finanzkrise ungestraft weitergehen wie vor der Krise, obwohl um 2008 weltweit nicht nur Institutionen, sondern auch Privathaushalte und Privatpersonen teils schwere finanzielle Verluste erlitten haben, etwa durch den Verlust von Immobilien und ihrer Ersparnisse für das Alter.

Dennoch drehte die Obama-Administration kaum an den Reglern für den Finanzsektor. Auch das Drehtür-Prinzip, der direkte Wechsel von Wirtschaftsmanagern in die Politik, blieb unangetastet.

Barack Obamas Finanzminister kam zwar nicht von Goldman Sachs. Doch auch während seiner Präsidentschaft besetzte ehemaliges Goldman Sachs-Personal politische Schlüsselpositionen. So wurde etwa die einstige Goldman-Beraterin Elena Kagan auf Obamas Wunsch hin 2009 zum „United States Solicitor General“ ernannt. Dieser „Oberste Anwalt der Vereinigten Staaten“ vertritt die Regierung vor dem Obersten Gerichtshof.

Elena_Kagan_official_Von Steve Petteway, Collection of the Supreme Court of the United States - Elena Kagan - The Oyez Project, Gemeinfrei, wiki commons

Seit 2016 heißt der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika Donald Trump. Er kommt aus der Wirtschaft und führt sein Land wie ein Unternehmen. Bei dem verwundert es am wenigsten, dass er sich seinen Finanzminister bei Goldman Sachs besorgt. Seit 2017 heißt Trumps Mann für das Finanzielle Steven Mnuchin. Schon dessen Vater arbeitete für Goldman Sachs. Doch anders als Vater Robert Mnuchin gehörte Sohn Steven der New Yorker Bank „nur“ 17, nicht 35 Jahre lang, an. Nachdem er die Bank verlassen hatte, abenteuerte Steven Mnuchin  im Hedgefonds-Geschäft und im Hollywood-Business als Filmproduzent (z. B. von Avatar) herum, bevor er mit der Politik zu flirten begann.

Steven_Mnuchin Von Office of the President-elect - commons.wikimedia.org

So wie es in den USA viele Minister und Diplomaten in spe machen, verdiente sich auch Steven Mnuchin seine politischen Sporen mit finanziellem Engagement. Mnuchin hat sich quasi in die Politik eingekauft. Er hatte bereits für diverse Organisationen und Parteien Geld gespendet, darunter auch für Hillary Clinton und Barack Obama.

2016 leistete er auf einmal eine hohe Zahlung von über 400,000 USD an die Republikanische Partei. Daraufhin erkor Trump den erfahrenden Geldmann zu seinem Chef-Geldeintreiber während der  Wahlkampagne.

Im Februar 2017 wurde der Banker Mnuchin für seinen Einsatz belohnt. Er bekam die Position des US-Finanzministers.

Nun sitzt erneut ein Goldman Sachsler im Olymp der Finanzmacht und wird von da aus für die Seinen sorgen.

Steven Mnuchin muss sich in der Machtzentrale nicht allein unter Aliens fühlen. Auf seinen Rat hin nominierte Donald Trump Jim Donovan im März 2017 als „Deputy Secretary of the Treasury“.  Der Investmentbanker stand fast 25 Jahre im Dienst von Goldman Sachs. In seiner neuen Funktion ist er der engste Berater des Finanzministers, also von Mnuchin. Er wird vor allem für die US-Fiskalpolitik, insbesondere für Steuern und Abgaben zuständig sein.

Jim Donovan_Law Virginia

Präsident Trump hat einen weiteren Goldman-Banker als Wirtschaftsberater rekrutiert. Dieser Mann hat vermutlich den entscheidensten Einfluss auf den Präsidenten, wenn es um die US-Wirtschaftspolitik geht. Gary Cohn, der einstige COO von Goldman Sachs, ist seit 2017 Direktor des „National Economic Council“. Der NEC gilt als die einflussreichste, ökonomische Instanz in den Vereinigten Staaten, als „economic-policy powerhouse“.

Gary_D._Cohn_-WEF Davos_2010 Wiki Commons

Gary Cohn wird  zum „Wall-Street-Flügel“ der Regierung Trump gezählt, zu dem auch Trump-Tochter Ivanka Trump, Trump-Schwiegersohn Jared Kushner sowie Dina Powell gehören. Das Grüppchen soll den Wünschen der US-Investmentbanker gegenüber offen eingestellt sein. Dina Powell hatte Ivanka Trump während der Wahlkampagne ihres Vaters beraten. Sie war einst Präsidentin der Goldman-Sachs-Stiftung und hatte davor für das Kabinett Bush gearbeitet. 2017 erhielt sie den Posten der “Deputy National Security Advisor for Strategy“, die Funktion einer hohen Sicherheitsberaterin.

Gary Cohn, president and COO, Goldman Sachs; James Dimon, chairman, president and CEO, JP Morgan; Mary Callahan Erdoes, CEO, JP Morgan Asset Management; Dina Habib Powell, global head of

(Gary Cohn, President and COO, Goldman Sachs; James Dimon, Chairman, President and CEO, JP Morgan; Mary Callahan Erdoes, CEO, JP Morgan Asset Management; Dina Habib Powell, Global Head of Corporate Engagement, Goldman Sachs / Foto: Wiki Commons)

Nicht zum Wall-Street-Flügel zählt Steve Bannon. Dabei ist Trumps einstiger Hauptstratege in den 1980´er Jahren in der Mergers & Acquisitions-Sektion von Goldman Sachs tätig gewesen. Bannon vertritt einen anderen Flügel. Der nationalistisch ausgerichtete Mann leitete bis August 2016 das „Breitbart News Network“, ein Sprachrohr der rechtsflügligen „Alt-Right-Bewegung“ in den USA. Er vertritt eine nationalistische Haltung und zählt zum Rechtsaußen-Flügel der Regierung Trump.

Steve_Bannon_Von Don Irvine - Steve Bannon in front of The Heritage Foundation wallpaper, on Flickr, CC BY-SA 2.0, wiki commons

Bannon nannte die vier Wall-Street-Flügler Cohn, Kushner, Trump und Powell „Demokraten“ und „Globalisten“ und glaubte, sie damit beschimpfen zu können. Doch denen macht das wenig aus. Jared Kushner ist nicht nur Trumps Schwiegersohn. Er fungiert seit 2017 als „Senior Advisor to the President“ und ist damit Trumps engster Berater. Als solcher strengt er sich an, Trumps ehemaligen Chefstrategen Bannon aus dem inneren Machtzirkel zu verdrängen. Und auf Cary Cohn trifft die Titulierung „Demokrat“ sogar zu. Der Ex-Goldman-Mann Cohn hat, so auch wie der Ex-Goldman-Mann Mnuchin, früher die demokratische Partei unterstützt.

Ein Goldman Sachs-Banker interessiert sich wenig für Ideologien, selbst wenn er in die Politik geht. Er hat Geld, und das investiert er. Egal, worein er sein Geld steckt, ob in Konzerne oder in Parteien, er will, dass seine Investitionen sich auszahlen. Die Finanzminister gewordenen Goldman Sachs-Banker Robert Rubin, Hank Paulson und Steven Mnuchin gingen als schwer reiche Männer in die Politik. Auf ihre Reise in politische Sphären bekamen sie dicke Präsente mit. Der aktuelle NEC-Direktor Gary Cohn soll bei seinem Weggang von Goldman Sachs ein Abfindungspaket von über 285 Millionen USD, überwiegend in Form von Aktien erhalten haben.

Das ist ein schönes und wirkungsvolles Abschiedsgeschenk. So großzügig Beschenkte werden ihren einstigen Arbeitgeber, die Kollegen und die gemeinsamen Stunden in der weltweiten Bankenszene kaum vergessen können.

Goldman_Sachs_New_World_Headquarters wiki commons

Nach der Finanzkrise hatte Barack Obamas Kabinett den „Dodd-Frank Wall Street Reform and Consumer Protection Act“ auf den Weg gebracht. Um die Öffentlichkeit zu beruhigen, wurde dieses den Finanzsektor betreffende Bundesgesetz 2010 verabschiedet. Der Dodd-Frank-Act enthält keine richtig scharfen Spitzen gegen die Wall Street-Clique. Doch hier finden sich Regeln zum transparenten Verhalten und zur Verantwortungsübernahme im Finanzsektor. Außerdem macht er Schluss mit der Staatsverantwortung für marode private Finanzinstitute. Bailouts werden abgeschafft. Kriselnde Banken sollen künftig nicht mehr vom Staat gerettet werden, so wie noch um das Jahr 2008.

Nicht nur bei Goldman Sachs, auch in den übrigen mächtigen Investmentbanken der Staaten hofft man, einer der Ihren möge auf die Finanzgesetzgebung einwirken. Die Bankerszene wünscht sich einige der 541 Gesetzesartikel des Dodd-Frank Acts wieder weg. Mit dem neuen Präsidenten und seinen Goldman´schen Finanzberatern lebt die Hoffnung der Szene auf Deregulierung wieder auf.

Donald_Trump's_hair_from_behind,_2007 By Joe Shlabotnik from Forest Hills, Queens, USA - The Donald Trump, CC BY 2.0 wiki commons

Donald Trump muss sehen, wie er sich mit den Bankern in seinem Haus arrangiert. Goldman Sachs-Mann Steven Mnuchin macht sich im Finanzministerium breit. Trump stellte ihm sogar dessen Lieblingsberater, den Goldman Sachs-Mann Jim Donovan, zur Seite. Unter der Aufsicht der Goldman Sachs-Frau Powell verwandelte sich Trumps Tochter Ivanka in eine vorzeigbare First Lady. Überhaupt scheint Dina Powell großen Einfluss auf ihre Wall-Street-Mitflüglerin Ivanka Trump zu haben, welche wiederum als wichtigste Einflüsterin ihres Vaters gilt. Und der einstige Goldman-COO Gary Cohn sitzt ständig neben oder hinter Trump, wenn er wirtschaftspolitische Entscheidungen treffen soll.

Wer wird wohl mehr von Government Sachs profitieren: Goldman Sachs und die Investmentbanker-Szene oder der Wirtschaftsmanager-Präsident Donald Trump? Je besser Steve Mnuchin, Jim Donovan, Dina Powell oder Gary Cohn ihre politische Arbeit machen, desto mehr steigt ihr Einfluss im Trump-Kabinett. Damit steigt auch der Einfluss der Wall Street auf die Regierung. Mnuchin, Donovan und Cohn verkörpern die Bankenzunft. Sie verkörpern Goldman Sachs. Sie haben Goldman Sachs im Mindset, im Portfolio und im Adressbuch. Ihre Freunde bei Goldman Sachs und in anderen US-Investmentbanken stellen hohe Erwartungen an sie.

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Die Aachener Abgasclique

Die Abgasclique - Gisela Schmalz 2015

 

Mehr zur Verbindung zwischen der Volkswagen AG und der RWTH Aachen hier.

 


Clique Economy

– The power of networks: Goldman Sachs, the Church, Google, the Mafia…

Cliquishness is a challenging art. It can make people happy, rich and powerful. At the same time it is a tricky business that requires knowledge, manipulatory and strategic skills plus quite a bit of practice. Men well-equipped with cliquish aptitude formed the Catholic Church, the Sicilian Mafia organization Cosa Nostra, the investment bank Goldman Sachs Group Inc. and the tech giant Google Inc. into centers of influence and wealth. This book shows how cleverly the representatives of these four of the most powerful organizations in the world apply cliquishness to reach highly ambitious political and financial goals.

Clique Economy explores an omnipresent, but so far insufficiently valued topic. It delineates the causes, reasons and dynamics of this phenomenon, which occurs among human beings as well as in the animal world. Only those who fully understand the motives and intentions of cliques are able to value or evaluate the sophistication of utilizing the technique of cliquishness.

Gisela Schmalz Cliquenwirtschaft
Clique Economy will introduce the single instruments of successful cliquishness, not without casting a careful and critical eye on the results. It recommends those tools to everyone who was previously only timidly or not at all cliquishly active.
Especially those who reject power cliques, crony capitalism and the like should be stimulated to use cliquishness in a constructive way. This social tool can be applied with negative or positive outcomes. Readers are invited to become familiar with cliquishness and to apply it – for a good cause. They also can use their new knowledge to lay bare existing forms of destructive cliques.

Download Exposé: Clique Economy – Exposé Excerpt – by G. Schmalz


Vernetzte ältere Männer in Griechenland und in der Schweiz

Joseph Blatter wikicommons

I Wie FIFA-Funktionär Joseph Blatter seinen Altherren- und Fussballerclub führt und zu Reichtum führt, ist paradebeispielhaft für die Kunst der Cliquenwirtschaft. Seit Jahren paktiert der 1936 geborene Schweizer Blatter, „Alter Herr“ der Studentenverbindung Helvetia, mit ausgewählten Getreuen. Wichtigstes Ziel: sich und die seinen mit Macht und Geld zu versorgen. Warum sah die Welt das lange nicht, oder sah es und sah wieder weg? Warum schwiegen internationale Mitwisser? Aus Angst – aber wovor? Oder schwiegen, informierte randlagige Funktionäre vielmehr aus Respekt vor der mächtigen FIFA-Kernclique, der sie womöglich selbst gern angehört hätten und der einige von ihnen viel zu verdanken haben?

II Die Ursachen der Griechenlandkrise liegen vor der Euroeinführung im Land. In einem geldbefeuerten Cliquenspiel verzahnt waren damals Politiker und Banker. Unter ihnen war der Finanzwissenschaftler Petros Christodoulou. Er arbeitete einst für die US-Investementbanken Goldman Sachs und J.P. Morgan. Von 1998 bis 2010, also in der Phase der EURO-Umstellung Griechenlands, war Christodoulou bei der privaten National Bank of Greece (NBC) angestellt. Um das Jahr 2010 leitete er unter Giorgos Papandreou die staatliche griechische Schuldenagentur.

Zur Rolle des international vernetzten Bankers Petros Christodoulou in der Griechenlandkrise und zur FIFA unter Sepp Blatter mehr im Buch CLIQUENWIRTSCHAFT.

24/03/2010 .ATHENS, GREECE ,PETROS HRISTODOULOU

24/03/2010 .ATHENS, GREECE ,PETROS HRISTODOULOU


Cliquenwirtschaft im Café Einstein in Berlin

Am 26. November 2014 lud Gerald Uhlig, zusammen mit dem Kösel Verlag, ins Berliner –Café EINSTEIN unter den Linden– zur Buchvorstellung.

Gisela Schmalz Einstein -261114

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Vor interessiertem Publikum las Gisela Schmalz aus ihrem neuen Buch „Cliquenwirtschaft – Die Macht der Netzwerke: Goldman Sachs, Kirche, Google, Mafia & Co.“ Anschließend befragte Gerald Uhlig die Autorin nach ihrer Sicht auf wirtschaftliche Machtstrukturen in Deutschland und in den USA. Er fragte Gisela Schmalz nach dem Talent der Jugend zur Cliquenwirtschaft sowie zu ihren persönlichen Erfahrungen mit Cliquen, insbesondere mit reichen und mächtigen Seilschaften. Der Künstler, Autor und Kaffeehauseigentümer Uhlig lobte die moralisch nicht wertende Haltung von Gisela Schmalz, die Schärfe ihrer Beobachtungen und die klare Schreibweise in ihrem BuchCliquenwirtschaft„.


Die Macht der Clique – WDR-Interview mit Gisela Schmalz

Cliquenwirtschaft kommt in allen Ländern, Branchen und Einkommensklassen vor. Wer an der Macht ist, weiß oft auch, die richtigen Strippen zu ziehen. Gisela Schmalz hat hinter den Kulissen der Macht geforscht. Über ihr neues Buch „Cliquenwirtschaft“ spricht sie in der Sendung „Neugier genügt“ bei WDR 5 mit Jürgen Wiebicke.

Großorganisationen wie die Mafia und die Bank Goldman Sachs (die etwa zeitgleich entstanden sind), die katholische Kirche und Google organisierten ihre Weltexpansionspläne generalstabsmäßig, in dem sie Freundschaften und Bekanntschaften zu bestimmten Zwecken strategisch ausnutzten.

Teaser_Cliquenwirtschaft

Die Wirtschaftswissenschaftlern Gisela Schmalz meint, dass die von ihr behandelten Weltorganisationen bewusst auf Cliquen für die Durchsetzung ihrer Weltmachtansprüche setzten anstatt auf Netzwerke. Obwohl Geheimhaltung für den Erfolg der Cliquenwirtschaft in der Vergangenheit ein wesentlicher Erfolgsfaktor war könnte das in der Zukunft ein Problem für Unternehmen wie z.B. Google werden. Auch wenn Google auf Transparenz setze bleibt Gisela Schmalz skeptisch: „Transparenz wäre bei einer weiter fortgeschrittenen Digitalisierung aber möglicherweise der neue Deckmantel für Macht.“ (Text: Gundi Große, WDR 5)

Literaturhinweis: Cliquenwirtschaft – Die Macht der Netzwerke: Goldman Sachs, Kirche, Google, Mafia & Co. von Gisela Schmalz, München, Oktober 2014.

 


Clique in den Genen

Ist die Cliquenbildung in den Genen anlegt? Gibt es ein Cliquen-Gen? Ja, sagen die Primatenforscher, die das Verhalten der engsten Verwandten des Menschen, höherer Säugetiere wie Affen, studieren. Affen sind ähnlich gesellig wie Menschen. Sie halten stets engen Kontakt zu ihren Artgenossen und passen aufeinander auf. Sie lieben es, einander nah auf den Pelz rücken und sich gegenseitig zu lausen.

Paviane beim Lausen

Das Lausen hat eine soziale Funktion. Über die Lauserei bilden sich Cliquen unter den Primaten heraus. Die Zahl der Cliquenmitglieder, die ein Affe nachvollziehen kann, sei durch die Größe seines Neokortex´ limitiert. Diese Beschränkung, die auch für Menschen gilt, wies der britische Anthropoloe und Psychologe Robin Dunbar von der Universität Oxford 1992 nach. Dabei stieß er auf die Dunbar-Zahl 150.

„Affen knüpfen verschiedene Beziehungen, auch sie betreiben Networking. Das Problem ist nur, dass wir sie nicht fragen können: Ist das dein Freund,“ erklärte 2013 der Forscher am Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie Roman Wittig im Interview.

Howling-Monkeys

Fällt ein Cliquenprimat beispielsweise durch Tod weg, so kompensieren die übrig Gebliebenen sogleich diesen Verlust. Ein Affe, der seine Partnerin verloren hat, sucht sich eine neue, die er lausen kann. So laust er sich gleichzeitig in eine neue Clique hinein und ist nicht mehr allein. Primaten nehmen den Wegfall ihrer Freunde nicht einfach hin. Das beweist, wie dringend sie eine Clique um sich herum benötigen.

Auch Menschen bilden Cliquen. Dabei gehen sie oft mehr intuitiv als strategisch vor. Beobachtbar ist, dass Menschen nicht allein für private, sondern gerade auch für professsionelle Zwecke Freundschaften mehr als Netzwerke benötigen und einsetzen. Darüber schreibt Gisela Schmalz in ihrem neuen Buch „Cliquenwirtschaft„. Die „Macht der Freundschaft“ behandelt sie in ihrem Artikel für Carta.info.